Neutrale Schutzlacke für die Elektronik

Der Schutz von bedruckten und bestückten Leiterplatten, welche extremen Umwelteinflüssen in kritischen Anwendungen ausgesetzt sind, ist enorm wichtig, um Fehlfunktionen zu vermeiden.

Ein Schutzlack wird in dünnen Schichten aufgetragen. Empfindliche Bauteile, Kontaktierungen und Verdrahtungen werden geschützt.

Folgendes Leistungsspektrum muss ein Schutzlack erfüllen:

  • gute Haftung auf allen Substraten

  • darf durch Temperatureinflüsse nicht beeinträchtigt werden

  • muss gegen jegliche Quellen der Verunreinigung wie Feuchtigkeit oder Chemikalien beständig sein

  • der Schutzlack soll unterhalb, oberhalb und um die Bauteile gleichmäßig verfliessen ohne Lufteinschlüsse

  • einen UV Indikator enthalten, um eine einfache Kontrolle des Lackverlaufs unter einer UV Lichtquelle zu ermöglichen

VOC freie Lacke auf Silikonharzbasis

Diese 1 komponentigen Silikonschutzlacke härten entweder additionsvernetzend mit Wärme oder kondensationsvernetzend mit der Luftfeuchte aus. Unsere Silikon RTV (Room Temperature Vulcanize, Raum Temperatur Vernetzung) Lacke härten sehr schnell aus und die Aushärtezeit kann durch erhöhte Temperaturen (40–60°C) und erhöhte Luftfeuchtigkeit beschleunigt werden. Der breite Temperaturbereich in der Anwendung ermöglicht ebenfalls den Einsatz dieser Produkte im Bereich der Luft-/Raumfahrt und der Automobilindustrie. Silikon an sich hat die natürliche Fähigkeit gegen Feuchteaufnahme zu schützen. RTV Silikonschutzlacke können sowohl manuell als auch maschinell aufgetragen werden.

Wichtige Eigenschaften der Silikonlacke

  • Breiter Temperaturbereich in der Anwendung (-55 ºC bis + 200 ºC)

  • Aushärtung bei Raumtemperatur oder Wärme

  • Niedrige Viskosität

  • 100% Feststoffanteil (keine Lösungsmittel)

  • Sehr gute Haftung auf den meisten Substraten

  • Geringe Geruchsbildung

  • RoHS kompatibel

  • Nicht brennbar

  • Weiter verarbeitbar nach der Hautbildungszeit ohne Risiko der Entzündung

Lacke auf Acrylharzbasis

Diese lösemittelbasierten Lacksysteme härten bei Raumtemperatur aus und sind sehr gut geeignet für Bereiche wie Reparaturarbeiten oder bei der Komplettversiegelung einer bestückten Leiterplatte. Diese Produkte sind einfach „durchlötbar“ und können mit einem geeigneten Lösungsmittel wie ACC50 entfernt werden. Das Produkt verfügt über MIL und IPC Spezifikationen.

Wichtige Eigenschaften der Acryllacke

  • Entspricht den Anforderungen nach MIL-I-46058C und IPC-CC-830

  • Entfernbar mit Lösungsmittel ACC50 für Reparaturarbeiten

  • Temperaturbereich -55 bis +130 C

  • RoHS konform

  • Kann „durchgelötet“ werden ohne toxische Gase zu entwickeln

Anwendungsmethoden

Pinselauftrag

Sicherlich die einfachste Methode den Lack zu applizieren und sehr gut für Kleinserien geeignet. Um die bestmöglichen Ergebnisse zu erhalten, sollte das Produkt bei Raumtemperatur (über 16°C) mit einem sehr guten Pinsel aufgetragen werden. Gleichmäßiges und vorsichtiges Auftragen ohne die Verdrahtung zu beschädigen. Danach sollte der Lack nach Angaben auf dem Technischen Datenblatt ausgehärtet werden.

Sprühverfahren

Das Sprühen ist die meist verbreitete Auftragsmethode. Hier kann man den Schichtdickenauftrag genauestens kontrollieren Bei diesem Verfahren müssen Schutzlacke eventuell verdünnt werden, um die richtige Viskosität zu erreichen. Die richtige Viskositätseinstellung hängt vom Schutzlack selbst und dem Dosiergerät ab. Technische Datenblätter geben meistens nur eine sehr allgemeine Verdünnungsrate an. Es ist empfehlenswert und ratsam nur den empfohlenen Verdünner laut Technischem Datenblatt des Herstellers zu verwenden

Diese Schutzlacke können sowohl durch handelsübliche, pneumatische Luftdrucksprühgeräte als auch automatische Dosiergeräte aufgetragen werden.

Nach dem Sprühvorgang sollte der Lack nach den Angaben auf dem Technischen Datenblatt ausgehärtet werden.

Tauchverfahren

Diese Anwendungsmethode ist ein einfaches Verfahren und für kleinere als auch mittlere Losgrößen geeignet. Hier werden die bestückten Baugruppen komplett in den Lack eingetaucht. Dies kann entweder manuell durchgeführt werden oder für reproduzierbare Schichtdicken auch maschinell. Der Schutzlack kann mit Lösemitteln verdünnt werden, wenn nötig.

Vorgehen

  • Die Leiterkarte sollte vertikal eingetaucht werden, wenn möglich, für ca. 1 Minute im Lack verbleiben, bis alle Luftblasen sich verflüchtigt haben

  • lackierte Baugruppe langsam aus dem Bad ziehen, damit ein gleichmäßiger Film entsteht

  • Baugruppe abtropfen lassen und in Übereinstimmung mit dem Technischen Datenblatt aushärten

RTV aushärtende Schutzlacke sind generell weniger für dieses Verfahren empfehlenswert, da eine stetige Kontrolle des Bades notwendig ist, um eine vorschnelle Hautbildung des Lackes im Bad zu vermeiden.

Wir stehen Ihnen gerne beratend zur Seite, um Empfehlungen für die bestmögliche Kombination aus Schutzlack und Dosiergerät für Ihre Anwendung zu geben.